Videospiele als neuer Therapieansatz bei Menschen mit Parkinson

Samstag, 14. März 2015

Dass Videospiele mittlerweile nicht nur vor der Computertastatur gespielt werden, sondern dem Spieler körperliche Betätigung abverlangen, ist durchaus bekannt. Nun sollen Menschen mit Nervensystemerkrankungen Videospiele als neue Methode der Therapie für sich nutzen. Die Rede ist von Exergames. Dies sind Spiele, die neben ihrer Funktion als Videospiel auch eine Form des Fitnesstrainings sind. Bekannt sind Spiele wie Bowling, Tennis oder Golf der Wii-Konsole, die man mit einem fernbedienungsartigen Controller mit Bewegungssensoren selber spielen kann. Der auf Exergaming basierende Therapieansatz könnte den Grundstein zur Behandlung neurologisch bedingter Krankheiten wie multiple Sklerose oder Parkinson legen.

Der Therapieansatz

In den durchgeführten Pilotstudien mit Parkinson-Patienten, die sich im frühen Krankheitsstadium befanden, ist versucht worden, verlorene Bewegungsabläufe, durch virtuelle Spiele zu verbessern. Ziel ist es, den Patienten durch spielerische Bewegungen einen Mobilitätsgewinn zu verschaffen. Dabei wird, angelehnt an eine herkömmliche Physiotherapie, ein Rehabilitationstraining angestrebt, das neben Patienten mit Parkinson auch die Bewegungen älterer Menschen trainiert. Diese haben eine schwächere Auffassungsgabe der Bewegungsabläufe und konzentrieren sich mehr auf das Gehen, um nicht zu stürzen. Der Therapieansatz soll ihnen mehr Sicherheit in ihren Bewegungen geben. Hirnforscher fanden zudem heraus, dass die Videospieltherapie auch für Menschen mit Ataxie hilfreich sein soll. Die Vorteile dieser Therapieform sind, dass erkrankte Menschen durch ein abwechslungsreiches Training Spaß haben und gleichzeitig ihre verlernten Bewegungen erneut lernen.

Da die Spiele an der Wii auch mit mehreren Personen gleichzeitig spielbar sind, wird so eine soziale Komponente miterfüllt, wenn die Betroffenen mit ihren Partnern oder Verwandten spielen. Einer Studie zufolge kann dies sogar zur Besserung krankheitsbedingter Depressionen führen. Auch ersparen sich die Patienten den Weg zum Reha-Zentrum, was gerade für schwer erkrankte Menschen vorteilhaft ist. Die regelmäßige körperliche Betätigung steigert nachweislich die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten. Trotzdem wird empfohlen, dass der neue Therapieansatz basierend auf Videospielen nicht als vollständiger Ersatz, sondern als eine zusätzliche Ergänzung zur Physiotherapie herangezogen werden sollte.

Kritik am neuen Therapieansatz

Dennoch gibt es Kritik am Exergamingansatz. Zum einen wird den Studien vorgehalten, dass eine bisweilen zu geringe Patientenanzahl die Studie absolviert habe. Zum anderen werden Exergames als solche kritisiert. Sie müssen spezifischer auf die Krankheit zugeschnitten sein, um medizinische Verwertung zu erfahren. Außerdem sei problematisch, dass diese Spiele oft zu hektisch seien und den Patienten in kurzer Zeit viele Entscheidungen abverlangen. Dies könne zu Stress statt Spaß und zur Demotivation des Patienten führen. Jedoch arbeiten verschiedene Institutionen an größer angelegten Studien mit verschiedenen Gruppen von Patienten. Zudem widmen sich unter anderem das TIZ der Universität Bremen und die University of California an einer Spieleentwicklung zugeschnitten auf Patienten mit Parkinson, um Spiele zu schaffen, die körperliche Betätigung und das Gedächtnis trainieren. Der neue Therapieansatz ist ein positiver Weg, um die technischen Möglichkeiten unserer Zeit in gesundheitliche Vorteile umzumünzen.